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Wartung ist das halbe E-Bike-Leben

13.03.2020

Checkliste für Ihr E-Bike

Je mehr Aufmerksamkeit man seinem E-Bike schenkt, umso länger hat man Freude daran


Was man selbst machen kann

  1. Entfernen Sie Dreck, bevor er hartnäckig haftet, und waschen Sie im Winter Salz ab. Und zwar nicht mit dem Hochdruckreiniger, sondern mit Bürste oder Lappen sowie einem geeigneten Reinigungsmittel.
     
  2. Prüfen Sie idealerweise vor jeder Fahrt die Funktion der Bremsen, den Druck der Reifen sowie Lenker, Sattel, Achsen usw. auf festen Sitz.
     
  3. Vermeiden Sie das Fahren in sehr schweren Gängen sowie Schaltvorgänge unter Last. Bremsen Sie überlegt, vermeiden Sie Voll- und lange Schleifbremsungen.
     
  4. Lagern Sie das E-Bike nicht im Nassen und Kalten – vor allem nicht mit eingebautem Akku

Was Aufgabe der Werkstatt ist

  1. Die Aktualität der Software, den Zustand des Akkus und den Zustand des E-Bike-Systems sollte die Werkstatt bei jedem Service überprüfen.
     
  2. Verschleißteile wie Bremsbeläge und Bremsscheiben, Kette, Ritzel und Reifen bei jedem Besuch checken lassen. Es gilt: lieber generell zu oft als einmal zu spät.
     
  3. Die Speichenspannung der Laufräder, das Nachziehen aller wichtigen Verschraubungen, ausreichende Schmierung und das korrekte Einstellen von Bremse und Schaltung sind ein Muss bei jedem Kundendienst.

Wartung ist extrem wichtig beim E-Bike. Händler Bastiaan Bijvoets erklärt, worauf es dabei ankommt

Herr Bijvoets, Wartung, Service-Intervall klingen nach Pflichtprogramm: Muss man E-Bike-Käufer dazu überreden?
Ich kann natürlich nur für unsere Kunden sprechen, aber die wissen heute schon sehr gut Bescheid über die Vorteile eines Check-ups. Da muss ich nicht viel Überzeugungsarbeit leisten.

Worin liegen die Vorteile eines regelmäßigen Kundendienstes beim E-Bike?
Zum einen kann man nur so sicher sein, dass alles reibungslos funktioniert. Zum anderen profitiert man als Kunde beim Wiederverkauf des Bikes von einem gepflegten Check-Heft.

So etwas wie eine TÜV-Pflicht gibt es nicht. Wie oft sollte man also sein E-Bike warten lassen?
Manche Systeme zeigen auf dem Display an, dass es Zeit für einen Check wird. Das ist aber nicht bei allen E-Bikes der Fall. Ich rate, spätestens alle 1500 bis 2000 Kilometer zu kommen. Natürlich kann es auch früher ratsam sein, das hängt vom Rad ab und von der Art, wie man damit umgeht.

Worauf achten Sie besonders?
Da geht es sicherlich um die Bremse, den Motor und den Antrieb. Die Bremsbeläge müssen noch genug Material haben, ansonsten werden sie getauscht. Manchmal kommen Kunden zu uns und bemängeln, dass die Bremse Geräusche macht. Wir schauen dann nach und stellen nicht selten fest, dass praktisch keine Bremsbeläge mehr vorhanden sind. Das ist dann eine etwas aufwendigere Reparatur.

Die man bei regelmäßiger Wartung vermeiden könnte. Was ist noch ähnlich wichtig?
Beim Antrieb besonders die Kette und – bei einer Kettenschaltung – die Ritzel. Beim E-Bike liegt sehr viel Kraft am Hinterrad an. Das ist eine enorme Belastung vor allem für das kleinste Ritzel. Das ist oft verschlissen und muss dann ausgetauscht werden.

Und wie steht es mit dem Motor und dem Akku?
Dafür schließen wir beim Checkup das E-Bike an ein Analysegerät an. Je nach Motoren- und Akku-Hersteller sind wir dadurch direkt mit deren Server verbunden. So laden wir auch gleich eventuell nötige Software-Updates auf das Bike. Wenn alles in Ordnung ist, markiert das System alle Komponenten grün.

Ist der Akku der sensibelste Bauteil am E-Bike?
Auf jeden Fall ist der Akku einer der teuersten Teile. Und man kann eine defekte Zelle leider nicht mit dem bloßen Auge feststellen. Spätestens beim nächsten Wartungstermin im Akku- Tester taucht der Defekt im Bericht auf. Und das ist gut so, denn ein kaputter Akku ist nicht ungefährlich.

Bekommt man als Kunde so einen Prüfbericht zu sehen?
Den geben wir jedem sogar mit. Vorher sprechen wir den Bericht aber gemeinsam mit unseren Kunden durch. Wir können anhand der Daten beispielsweise auch sehen, wie viele Kilometer in welchem Unterstützungsmodus gefahren wurden. Wir leiten daraus konkrete Empfehlungen und Tipps ab.

Was für Ratschläge sind das?
Ob und gegebenenfalls wie man seine Fahrweise ändern sollte, um in Zukunft erhöhten Verschleiß zu vermeiden.

Sind E-Bikes heute komplizierter als noch vor ein paar Jahren?
Komplexer in Modellvielfalt und Technik sind sie auf jeden Fall. Wir betreiben viel Aufwand, um als Werkstatt immer auf dem neuesten Stand zu bleiben. Jeder unserer Mitarbeiter besucht regelmäßig Schulungen und Fortbildungen der Fahrrad-, Akku- und Motorenhersteller. Unsere Kunden erwarten das auch. Und zwar zu Recht.
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Interview: Anna Ebach
Foto: André Kirsch für FOCUS-Magazin

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