Die Scheibenbremse ist heute die verbreitetste Bremse am E-Bike | Foto: Velomotion

Die Scheibenbremse ist heute die verbreitetste Bremse am E-Bike | Foto: Velomotion

Von Scheiben, Felgen und Reibung

13.11.2020

Ein E-Bike muss eine leistungsstarke, zuverlässige Bremse haben. State of the Art ist aktuell die Scheibenbremse

Wer später bremst, ist länger schnell, lautet ein Sprichwort. Da aber auch derjenige länger in der Klinik liegt, der zu spät bremst, hofft dann doch jeder Biker auf den gewünschten Bremseffekt, sobald er am Hebel zieht.

Generell findet man heute am E-Bike drei Bremsentypen. Dabei ist die Rücktrittbremse eher selten anzutreffen (siehe Absatz weiter unten). Bleiben also noch die Felgen- und Scheibenbremsen. Die Felgenbremse befindet sich dabei allerdings seit einigen Jahren im Abwärtstrend, da sie Fahrradhersteller in der Wahl der Felgen einschränkt (eine Bremsfläche auf der Felge ist nötig), sich optisch weniger schön im Rad integrieren lässt und im Vergleich weniger Bremsleistung als eine Scheibenbremse hat. Die ist nicht nur State of the Art, sie ist inzwischen auch bezahlbar und wird in guter Qualität selbst an günstigen E-Bikes verbaut.

Scheibenbremsen für den Pedelec- Einstiegsbereich funktionieren in der Regel mechanisch mittels Seilzug. Hochwertigere Varianten arbeiten hydraulisch. Angeboten werden beide Arten in ähnlicher Qualität unter anderem von Firmen wie Shimano, Sram, Tektro und Magura.

Immer gleich bei der hydraulischen Variante: Das Ziehen des Bremshebels setzt im Inneren des Bremsgriffs einen Kolben (Geberkolben) in Bewegung, der Flüssigkeit (Mineralöl oder Bremsflüssigkeit) komprimiert. Dieser Druck wird über die Bremsleitung an den eigentlichen Bremskörper, den sogenannten Bremssattel, übertragen.

Man unterscheidet zwischen zwei und vier Kolben pro Scheibe. Entsprechend presst der Druck zwei oder vier „Nehmerkolben“ gegen die Bremsbeläge, die dann gegen die Bremsscheibe wirken. Die Reibung erzeugt die Bremswirkung. Eine 2-Kolben-Bremse ist im Regelfall kleiner, leichter und günstiger. Die 4-Kolben-Bremse ist größer, schwerer und leistungsstärker.

Die hydraulische Felgenbremse braucht eine Bremsfläche auf der Felge | Foto: Hersteller

Die hydraulische Felgenbremse braucht eine Bremsfläche auf der Felge

Wie findet man die richtige Bremse?
In der Regel hat das der Radhersteller bereits beantwortet. Der wählt die passende Bremse zum Fahrradmodell. Auch deshalb ist es wichtig, sich im Voraus zu überlegen, wo und wie man mit dem E-Bike fahren möchte. In Einzelfällen, etwa wenn die Bremsanlage regelmäßig am Limit arbeitet, kann ein Um- oder Aufrüsten sinnvoll sein. Sprechen Sie dazu mit dem E-Bike-Händler oder Fahrradmechaniker Ihres Vertrauens.

Wie lässt sich die Bremse optimieren?
Generell gilt: Je größer die Bremsscheibe, desto größer ist die Bremsleistung. Dabei ist unbedingt zu beachten, was seitens der Hersteller von Rad und Gabel als maximale Größe freigegeben ist. Weiteren Verbesserungsspielraum geben die Bremsbeläge: Es existieren verschiedene Belagsmischungen mit jeweils besonderen Eigenschaften. Dabei muss man sich leider meist entscheiden zwischen Kriterien wie langer Haltbarkeit, guter Dosierbarkeit, leisem Bremsvorgang und starker Bremswirkung.

Braucht die Scheibenbremse besondere Pflege?
Bremsscheiben und -beläge sollten regelmäßig von Schmutz gesäubert werden. Es empfiehlt sich dabei, alles, was die Bremswirkung reduzieren kann, von der Bremse fernzuhalten: Schmiermittel, Fette etc. Besser nutzt man ein spezielles Pflegeprodukt.

Was ist in Sachen Wartung wichtig?
Mindestens zu Saisonanfang sollten Beläge und Scheibe auf Verschleiß kontrolliert werden. Eine gute Werkstatt prüft dabei auch die Einstellung sowie den Flüssigkeitsstand. Wird statt einem Mineralöl eine Bremsflüssigkeit eingesetzt, muss diese, unabhängig von der Laufleistung, circa alle zwei Jahre erneuert werden.


Die Rücktrittbremse

Vorab: Wer gezielt danach sucht, der findet auch heute noch E-Bike-Modelle mit Rücktrittbremse. Vor allem an City- und Hollandrädern, zum Beispiel von Kettler, Kalkhoff oder auch Prophete, wird sie noch angeboten

Die Rücktrittbremse ist gut versteckt im Inneren der Hinterradnabe platziert. Es gibt sie für 1-Gang-Naben oder Nabenschaltungen, nicht aber mit Naben für Kettenschaltung, was sie leider inkompatibel mit dem beliebtesten Schaltungstyp macht. Auch der Motor muss zur Rücktrittbremse passen, denn er muss beim Rückwärtstreten die Pedalkraft nach hinten übertragen, anstatt wie üblich in den Freilauf zu wechseln.

Denn tritt man rückwärts, sollte Folgendes passieren: Nach (im Regelfall) weniger als einer Viertel Kurbelumdrehung wird die Bremse aktiviert. Dabei wird im Inneren der Nabe mindestens ein Bremsbelag gegen den Nabenkörper gedrückt. Die Reibung erzeugt die Bremswirkung. Die Stärke des Bremsvorgangs kann durch den Pedaldruck gesteuert werden. Dank der Bauart liefert die Bremse bei allen Witterungsbedingungen gleich gute Verzögerung.

Anders dagegen am Berg: Da der Bremsvorgang im „geschlossenen System“ passiert, kann entstehende Wärme schlecht entweichen. Ein Konstruktionsnachteil dieses Bremsentyps – und ein Grund, warum er in Gegenden mit viel Auf und Ab kaum nachgefragt wird.
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Text: Christian Ettl
Foto: Hersteller