Langjährige Freunde mit einer gemeinsamen Leidenschaft fürs Radfahren und schnelle Autos: Karl Platt (links) und Jörg Bergmeister | Foto: RightLight Media

Langjährige Freunde mit einer gemeinsamen Leidenschaft fürs Radfahren und schnelle Autos: Karl Platt (links) und Jörg Bergmeister | Foto: RightLight Media

Tracks meets Trail im Pfälzer Wald

09.10.2020

Am Fuß des Kalmit, dem höchsten Gipfel im Pfälzerwald, trifft Mountainbike-Ikone und Bulls-Profi Karl Platt auf seinen Freund und Porsche Test- und Entwicklungsfahrer Jörg Bergmeister. Mit dabei, ein 911er, zwei Mountainbikes und – ein Gaststar: ein Erlkönig des 2021er Porsche E-MTBs. Eine Tour mit Perspektivwechsel und beeindruckenden Bildern

Es ist ein recht kalter Morgen an der Kalmit. Das ist für Oktober nichts Ungewöhnliches. Nebel wabert zwischen den Bäumen. Ruhig ist es hier. Normalerweise. Karl Platt kennt das und mag es. Der Gipfel im Pfälzer Wald ist für ihn so etwas wie sein Hausberg. Wann immer es möglich ist, fährt, springt, fliegt der Profi-Biker über die Wege und Trails. Karl Platt, 42, ist Mountainbiker in Diensten des Radherstellers Bulls. Sitzt er nicht auf dem Rad, steuert er als Hobby-Rennfahrer gern seinen Porsche GT3 über die Nordschleife am Nürburgring. Heute ist Karl Platt mit beiden Vehikeln unterwegs und mit seinem Freund Jörg Bergmeister verabredet.

Wenn man so will, sind die beiden wie die zwei Seiten einer Medaille – in ihren Interessen ergänzen sie sich wunderbar. Jörg Bergmeister ist Profifahrer für Porsche und ambitionierter Hobbybiker. Der 44-Jährige hat viel Erfahrung und Erfolge auf den Rennstrecken dieser Welt gesammelt und ist gleichzeitig auch Entwicklungsfahrer und Markenbotschafter für die Sportwagenmacher aus Zuffenhausen. Die Leidenschaft für Geschwindigkeit und Performance ist das, was die zwei seit Jahren verbindet – im Auto und auf dem Rad. Und beide bringen ihr Wissen und ihre Erfahrung in die Entwicklung der Serienprodukte ein. Der eine für Sportwagen wie den Porsche 911, der andere unter anderem für E-MTBs wie die neue Bulls-Sonic-Reihe.

Rennsport, ob auf dem Trail oder im Motodrom, ist Technologietreiber, und ein exzellentes technisches Verständnis ist für die, die den Sport professionell betreiben, unabdingbar. Dass die typischen Kunden eines Porsche 911 oder Bulls E-Mountainbikes keine geborenen Rennfahrer sind, ist auch klar. Die hohe Kunst, da sind sich die Freunde einig, besteht darin, die im Rennsport erprobten Technologien so in die Serie und auf Straßen beziehungsweise Trails zu übersetzen, dass sie beherrschbar und sinnvoll für Alltagsfahrer sind. Ein „normaler“ Fahrer bringt das Material nur selten ans Limit, wie beide wissen.

Schlüsseltechnologien, die im Automobilbereich den Sprung von der Rennstrecke auf die Straße schafften, gibt es laut Jörg Bergmeister bei Porsche einige – moderne Dämpfertechnologien und Motortechnik, das Doppelkupplungsgetriebe (DKG). In Sachen Mountainbike nennt Karl Platt zum Beispiel die Einführung der 29-Zoll-Laufradgröße: „Wir haben uns 2010 erstmals mit großen Laufrädern auseinandergesetzt und sie in Tests mit der damals bewährten 26-Zoll-Größe verglichen“, erinnert sich der Profibiker. Das Ergebnis war beeindruckend: „Wir waren auf Anhieb 20 Sekunden schneller, und das Fahrverhalten fühlte sich auch sicherer an. Ich sagte zu unserem Team: Das müssen wir im Rennen fahren!“ So ging es mit brandneuen 29-Zoll-Prototypen zur anstehenden Transalp – „und wir haben das Ding gewonnen!“ Danach, so Platt, war schnell klar, dass die neue Laufradgröße mit dem besserem Rollverhalten und den sicheren Fahreigenschaften in die Serie einziehen muss. Mittlerweile haben sich die 29-Zöller am (E-)Mountainbike etabliert.

Überhaupt sei die Entwicklung im Radbereich nicht weniger schnell als beim Auto. „Wenn ich heute auf meinem Sieger-Rad des 2016er Cape Epic sitze“, sagt Platt, „kann ich kaum glauben, dass ich damit gewinnen konnte.“ Es sind die Verbesserungen vieler kleiner Details, die am Ende den großen Unterschied machen. Eine neue Beschichtung an der Gabel, ein Millimeter weniger Vorbaulänge und ein halbes Grad mehr Lenkwinkel zum Beispiel. Es sind Nuancen, die ein neues Mountainbike zu einem völlig anderen Fahrzeug machen können. Da kann selbst Jörg Bergmeister als gestandener Entwicklungsfahrer nur staunen. Dabei versteht gerade er, wie wichtig die stetige Verbesserung und die Weiterentwicklung aller Komponenten ist. Obwohl Bergmeister das Mountainbiking eigentlich zunächst nur zum Auspannen und zur Fitness für sich entdeckt hatte, entwickelte es sich bald zu einer Leidenschaft. Bald begann er, mit Luftdruck und Dämpferabstimmungen zu spielen, lernte das Streckenlesen und trainierte s eine ei gene Trail-Technik.

Dennoch: Wenn er mit Karl Platt unterwegs sei, gibt er zu, lerne er immer wieder so viel Neues über Mountainbikes und das Fahren, das sei schon beeindruckend. Das sieht Platt, nur aus anderer Perspektive, ähnlich. Ist er mit Bergmeister mit einem Sportwagen auf der Rennstrecke unterwegs, nehme er viel für seinen Sport mit, sagt er. Das Anbremsen und Einlenken zum Beispiel. „Da kann ich mir einiges zum Experimentieren abschauen.“

An der Kalmit wechseln beide ebenfalls die Perspektive. Karl Platt zeigt Freund Bergmeister, wie er mit dem 911er umgehen kann, Bergmeister versucht, auf den Trails Schritt zu halten. Ans persönliche Limit gehen dabei beide. Auf die Frage, wieso Karl bei der gemeinsamen Tour mit Jörg auf sein klassisches Wettbewerbs-MTB ohne E-Unterstützung setzt, sagt er nicht ohne ein verschmitztes Grinsen: „Ich bin großer E-Bike- Fan, doch ich möchte Jörg natürlich auch eine Chance lassen.“
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Text: Michael Große-Hering