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„Radfahren ist etwas Feinfühliges“

13.03.2020

Um ein E-Bike sicher zu beherrschen, sind vor allem Übung und Geduld nötig, weiß Tobias Krause

Für E-MTBs weit verbreitet, können Fahrtechniktrainings allen E-Bikern helfen

Herr Krause, sollte nicht jeder, der ein E-Bike kauft, ein Fahrtechniktraining absolvieren?
Sofern es sich um einen Neueinsteiger handelt, würde ich das genau so unterschreiben. Ein E-Bike richtig zu beherrschen ist eine komplexe und durchaus anspruchsvolle Angelegenheit.

Was macht es so anspruchsvoll?
Man geht schnell davon aus, dass aufgrund der Motorunterstützung alles leichter wird. Was das Fahrtechnische angeht, ist es allerdings nicht so. Die Unterstützung in Verbindung mit dem höheren Gewicht macht die Kontrolle und somit das sichere Fahren deutlich anspruchsvoller.

Macht es einen Unterschied, auf welchem Typ E-Bike man unterwegs ist?
Die Physik ist grundsätzlich für alle gleich. Das bedeutet, dass die grundlegendsten sicherheitsrelevanten Themen typenunabhängig sind. In der konkreten Anwendung gibt es dann natürlich Unterschiede, was zum Beispiel die Sitzposition angeht. Und auch die Eigenheiten von Front-, Mittel- und Heckmotor spielen eine Rolle.

Wie aufwendig ist ein Training für den E-Bike-Neuling?
Die wichtigsten sicherheitsrelevanten Themen kann man in zwei bis drei intensiven Stunden abhaken, würde ich sagen.

Worauf achten Sie dabei besonders?
Ganz wichtig ist der gefühlvolle Umgang mit der Bremse. Eine E-Bike-Bremse verzögert teilweise mit enormer Kraft. Auch das Kurvenfahren auf losem oder rutschigem Untergrund muss man beherrschen. Dann gilt es, die unterschiedlichen Stufen der Motorenunterstützung zu verstehen. Allem voran steht aber die individuelle Einstellung des Rades.

Training klingt nach Pflicht und Arbeit – wo bleibt der Spaß?
Das Gefühl von Sicherheit und Kontrolle verstärkt ja nur den Spaß am Fahren. Man braucht einfach etwas Geduld. Radfahren ist grundsätzlich etwas Ruhiges, Feinfühliges. Wenn das Grundlegende verinnerlicht ist, sind die nächsten Stellschrauben tatsächlich sehr fein. Ein Beispiel ist der besagte Umgang mit der Bremse: Ein Fahrrad zum Stillstand bringen kann jeder. Aber darum geht es etwa beim Mountainbike meist gar nicht.

Allerdings kann man bei Ihnen oder anderen Experten ja nicht einfach vorbeikommen und darum bitten, mal die wichtigsten Dinge erklärt zu bekommen.
Dafür ist tatsächlich die Nachfrage zu groß. Wir bieten diese Basisarbeit gerne auf Messen und Veranstaltungen wie den Münchner E-Bike-Days an. So eine Möglichkeit ist großartig, da sie Hemmschwellen umgeht, die bei dem einen oder anderen vorhanden sein könnten. Wer den Nutzen erkannt hat, dem empfehlen wir, mindestens zwei Tage oder mehr zu investieren, um die Theorie unter Anleitung in der Praxis umzusetzen und zu verinnerlichen.

Tobias Krause von trailxperience.com

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Interview: Patrick Morda
Fotos: Velomotion für FOCUS-Magazin, privat

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