Ulrike Plaumann (28), Expertin für Sporttherapie und Regeneration, leitet das „Radlabor“ in München | Foto: Radlabor

Ulrike Plaumann (28), Expertin für Sporttherapie und Regeneration, leitet das „Radlabor“ in München | Foto: Radlabor

Machen Sie Ihr Bike fit

29.01.2021

Richtig Fahrradfahren will gelernt sein. Wer gut unterwegs sein will, sollte ein paar Dinge beachten. Acht Fragen zu Ergonomie und Bikefitting an Sportwissenschaftlerin Ulrike Plaumann vom „Radlabor“

Frau Plaumann, gehen wir vom 08/15-Radfahrer aus: Was passiert, wenn sein Fahrrad nicht zu ihm passt?
Ist das der Fall, fühlt man sich schnell unwohl, wenn man damit unterwegs ist.

Woran liegt das?
Das kann unterschiedliche Gründe haben. Ist zum Beispiel die Rahmengröße falsch gewählt, kann sich das negativ auf die Gelenke, Bänder und andere Körperstrukturen auswirken. Zum Beispiel beeinflusst die Sitzhöhe die Belastung der Knie. Auf längeren Strecken fühlt man sich dann nicht gut.

Welche ist aus Ihrer Sicht die wichtigste Einstellung, die es zu beachten gilt?
Man muss das Fahrrad immer als Ganzes betrachten. Wenn ich aber nur eine Komponente nennen müsste, würde ich die richtige Sitzhöhe wählen. Zusammen mit der Sattelposition entscheidet die Sitzhöhe, wie sehr das Knie belastet wird und wie die Kräfte auf das Pedal wirken. Radfahren soll ja die Gelenke schonen, aber falsch eingestellt, können Bänder und Nerven komprimieren.

Warum haben viele schnell Probleme mit dem Sitzen?
Erstens sind Standardsättel oft nicht sehr ergonomisch. Sie geben erfahrungsgemäß nach, wenn man länger als 45 Minuten darauf sitzt. Der Körper senkt sich tiefer in den Sattel, die Nerven werden gequetscht. Das Ergebnis sind Taubheitsgefühle. Zweitens muss der Sattel in der Breite passen. Ansonsten drückt er auf tiefer liegende Strukturen.

Was lässt sich dagegen tun?
Man sollte die sogenannte Sitzbeinhöckerbreite messen lassen, um den passenden Sattel zu kaufen. Und man muss darauf achten, dass er dann waagerecht montiert ist.

Wie vermeidet man Taubheitsgefühle in den Händen?
Vielleicht steht die Sattelnase zu tief. Dann wird zu viel Gewicht auf die Hände verlagert.

Kann man auf einem gut eingestellten Rad auch weiter fahren?
Zumindest trägt so das Fahrrad keine Schuld daran, wenn es nicht so ist. Ein perfekt eingestelltes Rad mit passendem Sattel vereint Ergonomie mit Biomechanik, ermöglicht also gesundes und effizientes Fahren.

Sie beraten im Labor Spitzensportler — kommen denn auch sonst viele Radfahrer zu Ihnen?
Ja, wir bieten zum Beispiel auch eine Kaufberatung an, um von vorneherein das möglichst passende Rad zu finden. Denn Komfort fängt beim Radkauf an. Damit man kompetent und umfassend beraten werden kann, ist es wichtig zu wissen, welche Touren man fahren möchte und wie oft man wie lang mit dem Rad unterwegs sein will. Individuelle Vorlieben, so ist meine Erfahrung, sind meist mit der idealen Sitzposition vereinbar.
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Interview: Georg Bleicher

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