Für jeden das richtige Bike | Fotos: Velomotion

Für jeden das richtige Bike | Fotos: Velomotion

Für jeden das richtige Bike

14.08.2020

Das Angebot an E-MTBs wird immer vielfältiger. Mit den Experten von Velomotion hat FOCUS E-BIKE 15 aktuelle Modelle in der Praxis auf Herz und Nieren getestet – und für unterschiedliche Fahrertypen Empfehlungen zur Orientierung benannt. Hier ein Vorgeschmack.

WOHLFÜHL-BIKE FÜR DAS GELÄNDE

CANYON NEURON:ON 9.0

Das Canyon kommt mit Shimano-Motor und im Unterrohr integriertem Akku, der leider „nur“ eine Kapazität von 504 Wattstunden bietet. Das reicht zwar selbst für längere Touren, doch die Konkurrenz bietet hier oft mehr. Für knapp 4500 Euro gibt’s dafür aber fast durchweg Shimano-XT-Komponenten als hochwertige Anbauteile. Mit 130 Millimeter Federweg und gemäßigter Geometrie erfüllt das Neuron:ON die (Gelände-)Touren-Rolle sehr gut, gerade bergauf. Es gibt nur wenige Räder mit einem derart hohen Wohlfühlfaktor und einem vergleichbar intuitiven Handling. Die Federelemente sind auch für Laien schnell einzustellen. Wird es aber richtig steil, kommt der Shimano-Antrieb etwas ins Schwitzen, und der hohe Ton könnte stören. Der Hinterbau spricht wie die Pike-Federgabel an der Front sehr gut an. Flowige Abschnitte und leichtere Trails meistert das Canyon-E-MTB – in gröberen Gefilden gerät das Rad jedoch an seine Grenzen.


DAS VOLLGAS-BIKE

GIANT REIGN E+ 0 PRO

Das Giant Reign E+ 0 Pro ist ein sehr potentes E-Mountainbike. Die progressive Geometrie mit langem Hauptrahmen und flachem Lenkwinkel bringt vor allem Spaß in anspruchsvollem Gelände. Das Fahrwerk verlangt zwar etwas Geduld beim Einstellen, belohnt dann jedoch mit toller Performance. Ohnehin hat man bei Giant großen Wert auf eine hochwertige und durchdachte Ausstattung gelegt: Von der kabellosen Sram-AXS-Schaltung bis zu den stabilen Reifen, die die Carbonfelgen vor Durchschlägen schützen. Die Bremsen fallen ein wenig ab – sie haben ausreichend Power, bieten aber während längerer Abfahrten keine allzu großen Reserven. Der SyncDrive-Pro-Antrieb ist kraftvoll, kann in puncto Dynamik jedoch nicht ganz mit den Top-Motoren von Bosch oder Brose mithalten. Im Uphill ist das Giant eher unauffällig, erledigt jedoch seinen Job. In engen Passagen muss man den langen Radstand mit etwas Nachdruck durch die Kurven manövrieren.


BERGAUF HUI, RUNTER ENTSPANNT

KTM MACINA PROWLER PRESTIGE

Das Prowler Prestige ist als eines der wenigen aktuellen E-MTBs mit Shimanos der edlen XTR-Gruppe ausgestattet. Auch der Carbonrahmen ist hochwertig, das Rockshox-Fahrwerk eher nicht. Der Hinterbau harmoniert nicht immer perfekt mit dem Stahlfederdämpfer und fühlt sich in der Abfahrt zuweilen etwas schwammig an. Lässt man es eine Spur langsamer angehen, vermittelt der Laufradgrößen-Mix aus 29-Zoll-Vorder- und breitem 27,5-Zoll-Hinterrad und den griffigen Eddy-Current-Reifen von Schwalbe viel Sicherheit. Richtig glänzen kann das KTM jedoch bergauf. Der kräftige Performance-CX-Motor unterstützt mit viel Dynamik, und die gemäßigte Geometrie mit steilem Sitzwinkel funktioniert wunderbar in technischen Kletterpassagen. Hier bringt sich auch die exzellente Shimano XTR ein. Sattel und Griffe von Ergon sorgen für angenehme und komfortable Kontaktpunkte und die Integration des Kiox-Displays ist schön gelöst.


LEICHTGEWICHT MIT AUSDAUER

SPECIALIZED TURBO LEVO EXPERT CARBON

Der Preis mag zunächst skeptisch machen. Aber: Er ist beim Specialized Turbo Levo Expert Carbon gerechtfertigt, und selten führt ein Rad klarer vor Augen, wie wenig die Komponenten auf dem Papier für die Performance auf dem Trail bedeuten müssen. Das beginnt schon bei dem sehr guten Antrieb, der nicht nur natürlich und kraftvoll agiert, sondern auch sehr leise. Bei so viel Motorpower fällt auch die geringe Bandbreite der 11-fach-Schaltung nicht ins Gewicht. Die Fahreigenschaften des sportlichen Allrounders sind hervorragend: Das Fahrwerk ist komfortabel, macht aber auch eine grobe Fahrweise mit, und aus der zentralen Sitzposition heraus erklimmt man auch steilste Anstiege meist problemlos. Auf ein Display verzichtet das Specialized komplett, stattdessen werden Ladestand und Unterstützungsstufe auf dem Oberrohr angezeigt. Die Steuerung des Antriebs er-ledigt eine kleine, intuitive Remote am Lenker.


Die vollständigen Testergebnisse, weitere, aktuelle Modelle sowie noch mehr Details finden Sie ab dem 12.9.2020 im neuen FOCUS E-BIKE Magazin 2/2020.
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Fotos: Velomotion