Zwei Typen für die Stadt: der Tiefeinsteiger (r.) und das Kompakt-E-Bike (l.) | Foto: Sebastian Stiphout für FOCUS-Magazin

Zwei Typen für die Stadt: der Tiefeinsteiger (r.) und das Kompakt-E-Bike (l.) | Foto: Sebastian Stiphout für FOCUS-Magazin

Fit für die City

05.03.2021

Sie sind (mittlerweile) durchaus schick, können echt sportlich auftreten oder ein umweltfreundlicher Auto-Ersatz für Pendler sein. Das alles können City-E-Bikes. Fragt sich nur, wer welches braucht

Zunächst: Jedes Fahrrad, das in der Stadt unterwegs ist und bestenfalls ein Auto (teil-)ersetzt, ist ein guter Schritt. Natürlich kann man dort genauso auch auf einem Mountainbike oder Rennrad – sofern StVZO-konform ausgestattet – fahren. Aber jede E-Bike-Kategorie hat seitens der Hersteller spezielle Talente mitbekommen. So kann es schon sinnvoll sein, sofern das Haupteinsatzgebiet des neuen Rades vor allem der urbane Raum ist, sich die entsprechenden Kategorien genauer anzuschauen.

Mit unserem Ratgeber können Sie sich einen Überblick über den Stand der Dinge in Sachen City-, Urban-Style und Kompakt-Bikes für die Saison 2021 verschaffen. Und wenn Sie wollen, anhand von wenigen Fragen herausfinden, welche Art von E-Bike für Sie am ehesten geeignet wäre.

STADTRÄDER: PRAKTISCH, STILVOLL ODER KOMPAKT

Für den Fahrradgenuss in der City sind harmonisch und gelassen anschiebende Motoren wie die neue Bosch-Active-Line-Generation perfekt geeignet. Wer’s von früher gewohnt ist, kann auch eine Option mit Rücktrittbremse wählen. Sparsam und leise sind die meisten Modelle heute ohnehin. Perfekt ist es, wenn das Einsetzen und das Abschalten des Motors weitestgehend unbemerkt vonstatten gehen, man im Flachen flott dahingleitet und Steigungen einfach weggerollt werden. Wer sein Rad rein für die Stadt kauft, ist mit kleineren und leichteren Akkus für Reichweiten bis 60 Kilometer gut bedient – gerade, wenn man es öfter in die Wohnung oder den Keller tragen muss. Wer keine Steckdose im eben erdigen Abstellraum hat, sollte in jedem Fall auf leicht abnehmbare Akkus achten: Das Bike bleibt unten, der Akku kommt mit zum Laden.

Längst keine „Oma-Bikes“ mehr: moderne E-Stadträder

Was brauchen alle Stadttypen sonst? Robustheit, angefangen bei den pannensicheren Reifen – das darf auch mal ein breiterer Pneu sein, um Trambahnschienen entgegenzuwirken. Zuverlässigkeit und Wartungsarmut heißt auch gern Nabenschaltung, mit der auch der Carbonriemen statt Kettenantrieb möglich wird. Der braucht keine Schmierung und hält etwa viermal so lang. Bei Bremsen sind die Sorgloskomponenten am E-Bike heute ohnehin fast Standard: Scheibenbremsen verzögern auch bei Nässe zuverlässig. Dazu bietet sich eine entspannte Sitzposition mit guter Rundumsicht an, denn sportlich-gestreckt ist in der Stadt nur was für Spezialisten.

Ganz wichtig: kein Stadtrad ohne Licht, am besten fest montiert, gespeist aus dem Akku. Oft sind sie auch schön integriert. Übrigens: Auch Schutzbleche können heute schick aussehen und sind bei Regen kaum zu überschätzen.

KOMFORT-HELDEN FÜR JEDEN TAG

City-Bikes waren einmal die simplen Pedelecs mit komfortablem Auf- beziehungsweise tiefem Einstieg. Den Komfort hat der Tiefeinsteiger noch immer, doch mittlerweile ist aus dem „Damenrahmen“ ein Unisex-Rad geworden. Genug Gepäck kommt dank stabilem Träger locker mit. Oft ist das Cockpit verstellbar, sodass die aufrechte Sitzposition mit der perfekten Übersicht im Cityverkehr zu einer leicht sportlichen Tourenhaltung hinter der Stadtgrenze wird. Oft ist der Akku „intube“, also ganz im Rahmenrohr integriert. Die imposanten Rahmenrohre lassen Designern viel Fläche für moderne, aufgeräumte Optik, den Technikern für verwindungssteife Rahmenlösungen. Optimalerweise hat das E-City-Bike eine Nabenschaltung für bequemes Schalten. Sie ist pflegeleicht, äußerst robust und sorgt für weniger Verschleiß(-kosten) als die klassische Kettenschaltung. Und: Sie lässt sich im Stand schalten, was im Stop-and-go hilfreich sein kann. Im Zusammenhang mit bestimmten Motoren wie dem Shimano E5000 kann sie sogar automatisch den Gang wechseln. Bedeutet: immer die richtige Unterstützung und die richtige Übersetzung.

URBAN UND LÄSSIG GEHT AUCH

Den ganz coolen Modellen der Urban-Style-Fraktion sieht man ihre E-Power oft nicht mal mehr an. Die (meist) kleinen Akkus sind (meist) in die schlanken Rahmen integriert, die Motoren unauffällig als Nabe verkleidet oder gut im Tretlagerbereich versteckt. Minimalismus in Sachen Akku und Antrieb lässt Gewichte von rund 15 Kilogramm zu. Doch der Begriff „urban“ ist dehnbar, besonders in Sachen Gewicht und Einsatzbreite. Mit Mittelmotor, reichweitenstarkem Akku um 500 Wattstunden und stabilem Träger ist der Übergang zum E-Trekkingbike fließend, und das Eigengewicht nähert sich ebenfalls an. Urban Styler haben eine ans Sportrad angelehnte Geometrie – natürlich ist das auch perfekt für den schnellen Sommerweg zur Arbeit – Betonung auf „Sommer“, denn ohne Schutzbleche und Gepäckträger machen die Urbans am meisten her – und am meisten Spaß. Für die längere Tour ist nicht nur die Akkukapazität knapp, auch ein Gepäckträger sollte dann an Bord sein. Oft sind diese zwar nicht so belastbar, aber meist gekonnt als Bügel ins Design integriert. Die Aktentasche „schwebt“ quasi neben dem Hinterrad. Schick kann auch praktisch sein.

NEUE LÖSUNGEN FÜR EINE NEUE MOBILITÄT

Wo es eng zugeht, punkten sie: E-Faltund Kompakträder können neue Wege zeigen. Beispiel Arbeitsweg: Warum nicht Radfahren mit Bus und Bahn kombinieren? Das Faltrad ist schnell klein gemacht, für die tägliche S-Bahn- Fahrt ist aber auch das E-Kompaktrad praktisch. Und beide machen’s einfacher, wenn es enge Kellertreppen rauf- und runter- oder gar in die Wohnung geht. Wichtig dabei: das Gewicht und ein gut austarierter Griff am Rahmen. Auch ein E-Faltrad kommt schnell auf über 20 Kilogramm. Deshalb sollte es auch gefaltet leicht zu schieben sein. Der Faltvorgang muss unkompliziert und ohne Hakelei klappen, Kabel sollten klemmsicher verlegt sein. Wichtig für beide Radtypen: Kann man den Akku schnell und einfach entnehmen, um das Rad leichter zu machen? Und welche Strecken(-längen) sind geplant? Auch hier spart ein kleiner Akku Gewicht. Verzichten muss man ansonsten aber zumindest bei Kompakt-E-Bikes auf kaum etwas: Selbst Kindersitze sind oft sehr gut und sicher anzubringen. Viele E-Falträder erlauben nur kleine Gepäcktaschen auf dem Träger. Dafür gibt es von vielen Marken Adapterlösungen mit speziellen Träger-, Korb- und sonstigen Anbauten. Gut: Meist hat der Rahmen eine Einheitsgröße und Sattel und Lenker lassen sich schnell in der Höhe verstellen. So kann ein Bike schnell und unkompliziert für viele unterschiedlich große Fahrer funktionieren. Übrigens: Die kleinen Räder machen diese E-Bikes zu flinken Spaßmaschinen – der Komfort ist eher sekundär.

Lassen sich einfach – oft kostenfrei – in Bus und Bahn transportieren: Falt-E-Bikes

Mancher spricht den kleinen Zwanzigzöllern der modernen Kompakt oder Falt-E-Räder gar die Stabilität ab. Aufgrund der kürzeren Speichen und des geringeren Felgendurchmessers ist aber das Gegenteil der Fall! Auch auf Komfort muss man nicht zwingend komplett verzichten, da heute üblicherweise breite Reifen (etwa zwei Zoll) gefahren werden. Diese kleinen Räder sind übrigens nicht unbedingt weniger sicher: Ab einer gewissen Breite laufen sie fast genauso souverän über Stock, Stein und Straßenbahnschienen wie die großen.

EIN EXKURS: DAS S-PEDELEC

Weil ein S-Pedelec bis 45 Stundenkilometer unterstützt, gilt es in Deutschland rechtlich als Leichtkraft rad. Zulassung, Kennzeichen- und Versicherungspflicht sind da obligatorisch, ebenso wie eine gültige Fahrerlaubnis und das Fahren mit Helm. Das Mehr an Geschwindigkeit muss man nicht nur beherrschen – und bezahlen –, auch die Infrastruktur muss passen: Das Rad darf nicht auf Radwegen oder für Autos gesperrten Straßen wie landwirtschaftlichen Wegen gefahren werden. Bei dem Schild „Kraftfahrzeugstraße“ und einem daneben verlaufenden Radweg fällt dieses Rad sogar ganz durch das Raster. Weil sie aber gerade für Pendler eine echte Alternative zum Auto sein können, kämpft eine Lobby in Deutschland um Öffnung der Radwege. Obacht: S-Pedelecs verbrauchen mehr Energie, brauchen also größere Akkus. Manko für Familienmenschen: Kinderanhänger sind nicht zugelassen!

PROBIEREN GEHT ÜBER STUDIEREN

So ein Ratgeber verschafft einen ersten Überblick. Das gilt auch für die FOCUS E-BIKE Tests, die Sie hier finden. Die Unterschiede zwischen den einzelnen Radkategorien sind teilweise fließen. Entscheidend ist die individuelle Beratung, zum Beispiel beim Fachhändler, die aktuell auch digital stattfinden kann, und eine möglichst ausführliche Probefahrt.

Wunschrad gefunden? Jetzt geht es zum Fachhändler.

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Text: Georg Bleicher
Fotos: Hersteller, Sebastian Stiphout & Jan Greune für FOCUS-Magazin