Der FOCUS E-BIKE Schlosstest 2020

09.09.2020

Bevor es zu den sechs getesteten Bügelschlössern geht, ordnet Autor Georg Bleicher das Thema noch einmal ein: alles über Schlösser, Diebstahlsicherung und das richtige Ab- und Anschließen.

So wurde getestet

Erstmals hat FOCUS E-BIKE gemeinsam mit den Experten von Velomotion und unabhängigen Prüfern Fahrradschlösser unter die Lupe genommen. So wurde zersägt, geflext, gepickt und auf Alltagsnutzen und Handhabung überprüft

Der FOCUS E-BIKE Schlosstest versucht, möglichst praxisrelevant zu sein. Darum wurden die Schlösser zum Beispiel nicht unter Laborbedingungen in einen Schraubstock ge - spannt, sondern es wurde am Fahrrad in tatsächlicher Arbeitshöhe gearbeitet. Fachmännische Unterstützung und Beratung gewährleisteten ein staatlich geprüfter Maschinenbautechniker und ein stahlverarbeitender Betrieb.

Die errechnete Gesamtnote jedes einzelnen Schlosses im Test, ergibt sich aus 26 einzelnen Kriterien. Schließlich muss ein gutes Fahrradschloss mehr können, als nur möglichst lange einem Winkelschleifer standzuhalten. Das beste Fahrradschloss hilft nämlich nichts, wenn man es beispielsweise aufgrund des Gewichts, des hakeligen Schlüssellochs oder des allgemein komplizierten Handlings nicht benutzen mag. Trotzdem sind Aufbruchsicherheit und Robustheit eines Schlosses mit 65 Prozent am stärksten in der Gesamtnote gewichtet, das Handlingund die Bedienung mit 25 und weitere Zusatzkriterien wie Zubehör oder ein Schlüsselservice mit 10 Prozent.

Mit der Akku-Flex wurde unter Realbedingungen am Rad gearbeitet | Foto: Velomotion

Die wichtigsten vier Kriterien, sind in der Bewertungsübersicht mit Sternen ausgedrückt. Sechs Sterne bedeuten dabei die beste Performance. Hier sind diese vier Kriterien genauer erklärt:

  1. Sicherheit
    Die Akku-Flex ist aktuell der größte Feind des Fahrradschlosses und das wichtigste Werkzeug des modernen Fahrraddiebes. Kein Schloss, das hat auch unser Test gezeigt, ist für den Winkelschleifer un knackbar. Doch ist es ein entscheidender Unterschied, ob ein Schloss einem Angriff zehn oder 30 Sekunden stand- So wurde getestet halten kann. Dass ein Bolzenschneider beim Bügelschloss für Diebe ausscheidet, war schnell klar. Während Kabel- oder auch Kettenschlösser damit recht schnell geknackt sind, hat dieses Werkzeug am Bügel keine Chance. Auch „picken“ lassen sich die Schließzylinder nur schwer. Zwar ist es nicht unmöglich, doch auch hier gilt, dass der Dieb mit seinen feinen Geräten nicht an der Werkbank arbeiten kann, sondern versteckt am Rad hantieren muss. In 180 Sekunden musste unser Experte ein Schloss überwunden haben. Die Belastung durch Zug (Hydraulik) oder Schläge setzt einem Bügelschloss kaum zu. Allerdings hat sich gezeigt, dass manches Schloss auf diese Weise so ernsthaft beschädigt werden kann, dass der Schlüssel nicht mehr ins Schloss passt.
  2. Robustheit
    Ein gutes Schloss muss auch jahrelangen Dienst im Außeneinsatz mitmachen. Regen und Kälte, Straßenschmutz und Feinstaub lassen sich freilich im Test nur schwer nachbilden; unsere Simulationen mit Salzwasser und Sand – jedes Schloss musste das 96 Stunden durchstehen – zeigen aber durchaus Unterschiede auf. Vor allem in der Bedienung des Schlosses und den Schutzkappen der Schlüssellöcher.
  3. Handling
    Ein Fahrradschloss zu benutzen gehört zu den eher lästigen Dingen des Lebens, aber leider zu den unbedingt nötigen – deswegen sollte das Schloss so einfach wie möglich zu bedienen sein. Und zwar auch bei ungünstigen Bedingungen, etwa mit dicken Handschuhen oder bei Dunkelheit; ein beleuchteter Schlüssel sollte daher Standard sein. Drei von sechs Schlössern liegt eine Halterung für Fahrradrahmen bei, doch ist diese bei Fischer und Amazon kaum brauchbar. Die von Trelock ist simpel, aber gut; bei Abus gehört der Halter zum optionalen Sonderzubehör. Auch eine verständliche Bedienungsanleitung halten wir durchaus für wichtig – ein paar Tipps, wie ich mein Fahrrad sicher anschließe (wie bei Kryptonite), wären genau an dieser Stelle angebracht. Interessant in Sachen Handhabung ist, dass nur zwei Schlösser einen Verriegelungsmechanismus haben, der verhindert, dass beim Öffnen das Zylindergehäuse sofort zu Boden fällt (Abus und Trelock). Hier wird auch schnell klar, dass das schwächste Glied des Schlosses der Schlüssel ist. Beim Aufprall auf einen harten Untergrund kann er verbiegen oder gar brechen. Gerade bei Schlössern, bei denen der Schlüssel nicht nachbestellt werden kann (Amazon, Fischer), könnte dies zum Problem werden.
  4. Zusatzfeatures
    Über Design lässt sich immer streiten, und gerade bei einem Fahrradschloss mag die Optik nachrangig sein; doch „Form follows function“ gilt gerade für solche Alltagsgegenstände. Stimmen Haptik und Usability, hat ein Schloss scharfe Kanten oder fällt mir (wie bei Kryptonite) beim Öffnen möglicherweise das kiloschwere Zylindergehäuse auf den Zeh? Wie viele Schlüssel werden mitgeliefert, haben diese einen Beleuchtung und kann ich einen Schlüssel unkompliziert nachbestellen? Gibt es die Möglichkeit (wie bei Abus), mehrere Schlösser mit dem gleichen Schlüssel öffnen zu können? Besonders für Familien, in denen sich ein Rad geteilt wird, und E-Bike-Fahrer (Akkuschloss) ist dies komfortabel.

ABUS GRANIT XPlus™ 540

 

Licht und etwas Schatten
Das Abus Granit XPlus 540 ist das einzige Schloss im Test, dessen Stahlbügel im Querschnitt nicht rund, sondern quadratisch ist. Die Form soll Bolzenschneidern besser standhalten. Gegen den Winkelschleifer ist das Granit aber – etwas überraschend – nicht ganz so stark, gab im Kampf gegen die Akku-Flex schneller nach, als wir erwartet hatten.
Andererseits bietet Abus einige komfortable Zusatzleistungen: Mehrere Schlösser lassen sich gleichschließend ausstatten – etwa auch mit den Akkuschlössern der Familien- E-Bikes. Mit der angehängten Codekarte kann man zum Preis von je 14,95 Euro beliebig viele Schlüssel nachbestellen. Auch sonst merkt man dem Abus-Schloss die Herkunft aus „gutem Haus“ an: Die Verarbeitung ist sehr sauber; bei Befestigung am Rad klappert kaum etwas, und vor allem sitzt der Verriegelungsmechanismus auch in geöffnetem Zustand so fest, dass das Zylindergehäuse nicht unbeabsichtigt zu Boden fallen kann.
Das sich automatisch verschließende Schlüsselloch bietet guten Staubschutz und macht Fahrraddieben mit Picking-Tool das Leben schwer.

Eigenschaften

  • Das Profil das Abus-Bügels ist nicht rund, sondern hat eine Vierkant-Form.
  • Nur zwei Schlüssel liegen bei, ein Ersatzschlüssel kostet 14,95 Euro – dafür können aber mehrere Schlösser gleichschließend sein.
  • Das Schlüsselloch verschließt sich automatisch; das einzige Schloss im Test ohne manuell zu öffnende Abdeckung.

Fazit der Redaktion
Das Abus Granit XPlus 540 lässt sich sehr gut bedienen, ist für seine üppige Größe nicht zu schwer und bietet durch den hervorragenden Schlüsselservice viele Vorteile. In puncto Sicherheit überrascht es aber doch, dass es sich gegen die Akku-Flex nicht stärker behaupten konnte. Ansonsten ist es sehr unempfindlich gegen Stöße, Schläge und Korrosion – durchaus ein Fahrradschloss fürs Leben. Eine Halterung für den Fahrradrahmen muss zusätzlich gekauft werden; eine gedruckte Bedienungsanleitung fehlte leider.

Fazit des Spezialisten
„Gegen die Flex hält keiner durch. Aber der Test hat mal wieder gezeigt, dass die Dicke des verbauten Stahls entscheidend ist.“ Stefan Treml, staatl. gepr. Maschinenbautechniker


AmazonBasics - Fahrradschloss, D-förmig

 

Online-Rockstar
Bei Amazon Basics arbeitet man so „basic“, dass es nicht mal für einen prägnanten Produktnamen reicht. Allerdings ist das Fahrradschloss D-förmig die positive Überraschung im Testfeld. Der massive, 18 mm starke Stahlbügel hält der Akku-Flex am längsten stand. Auch nutzt ein Schnitt dem Dieb noch nichts, da sich der Schließmechanismus nur um 8 mm drehen lässt. Es müssen also zwei Schnitte durchgeführt werden, was den Schlossknacker am Ende rund eine Minute beschäftigt. Schön ist, dass ein 1,2 Meter langes Schlaufenkabel als Verlängerung mitgeliefert wird. Dieses lässt sich zwar mit einem kleinen Bolzenschneider leicht trennen, als schnelle Sicherung für einen Fahrradhelm oder das Vorderrad funktioniert es aber dennoch. Weniger gut klappt’s mit der beigelegten Halterung für den Fahrradrahmen. Der Alu-Haken am Schloss, der in die Halterung einrasten soll, ist so ungenau gearbeitet, dass dies bei allen vier Testschlössern nicht sauber funktionierte. Mitgeliefert werden drei Schlüssel, davon einer mit Licht; eine Nachbestellung von Schlüsseln ist nicht möglich.

Eigenschaften

  • Zum Lieferumfang gehört ein 1,2 m langes Schlaufenseil, mit dem sich das Vorderrad oder etwa der Helm zusätzlich sichern lassen.
  • Der Drehverschluss für das Schlüsselloch ist leichtgängig, Schmutz und Wasser können aber eindringen.

Fazit der Redaktion
Die Dicke macht’s: Der 18 mm starke Bügel ist extrem robust, lässt sich nicht verwinden und hält dem Winkelschleifer am längsten stand. Dass die Rahmenhalterung nicht funktioniert, ist ärgerlich, wirkt sich aber auf das positive Gesamtergebnis nicht zu gravierend aus. Das mitgelieferte Schlaufenkabel erhöht das sehr gute PreisLeistungsVerhältnis des rund 50 Euro teuren Schlosses. Top: Die beiliegende Bedienungsanleitung gibt gute Tipps zum sicheren Abschließen eines Fahrrads.

Fazit des Spezialisten
„Auf Beratung muss ein AmazonKäufer verzichten – aber was soll’s, wenn das Schloss aus dem InternetVersand richtig gute Leistung in der realen Welt zeigt?“ Caspar Gebel, Testredakteur


Fischer Bügelschloss Safe

 

Schwächen im Detail
Die Schlösser von Fischer finden sich, ähnlich wie die E-Bikes aus demselben Haus, bei großen Marktketten wie Real oder Media Markt. Entsprechend sind sie eingepreist. Als günstigstes Schloss im Test, liefertet das Modell Safe eine or - dentliche Vorstellung ab. Trotz „nur“ 16 mm Durchmesser hält der Bügel dem Winkelschleifer fast ebenso lange stand wie der Testsieger. Abstriche müssen dafür bei der Qualität des Kunststoffs gemacht werden. Die drehbare Schlossverriegelung arbeitet etwas hakelig und bricht nach nur wenigen Schlägen. Der Schließzylinder ist ein relativ einfaches System, das sich vom Profi recht schnell mit einem Picking-Tool öffnen lässt. Billiges Plastik findet sich auch bei der beiliegenden Rahmenhalterung. Diese lässt sich im Prinzip nur einmal gut am Rahmen oder an der Sattelstütze befestigen, danach ist der Rastmechanismus des Kunststoffs ausgeleiert. Schade eigentlich, da das Prinzip des Verschlusses sehr funktionell wäre. Relativ große Spalte lassen Schmutz und Wasser einfach eindringen und machen das günstige Schloss korrosionsanfällig.

Eigenschaften

  • Nur zwei mitgelieferte Schlüssel sind etwas dürftig, zumal auch keine Möglichkeit zur Nachbestellung besteht.
  • Die Kunststoff-Ummantelung des Zylindergehäuses erweist sich als wenig robust gegenüber Schlägen und Vandalismus.

Fazit der Redaktion
Wer ein günstiges, aber trotzdem vernünftiges Bügelschloss sucht – etwa als Zweitschloss –, liegt mit dem Fischer richtig. Vorsicht ist geboten, da nur zwei Schlüssel zum Lieferumfang gehören; bei einem 1,5 Kilo schweren Schloss, das zu Boden fällt, bricht ein Schlüssel leicht ab. Schön, dass in einen davon eine LED-Beleuchtung integriert ist. Der simulierte Fahrraddieb mit Picking-Tool hat das Safe in wenigen Minuten geknackt; dem Winkelschleifer hält es allerdings sehr gut stand.

Fazit des Spezialisten
„Das Fischer ließ sich am schnellsten öffnen. Allerdings nicht in den geforderten drei Minuten. Wichtig: Der Schließzylinder muss für einen Dieb schlecht zugänglich sein.“ Ralph Wich-Fähndrich, Picking-Spezialist


Hiplok DX

 

Sicheres Accessoire
Schlösser der Marke Hiplok sind so entworfen, dass man sie leicht am Körper tragen kann. Das Modell DX kann schnell an den Hosenbund geclipt werden, das Modell Gold beispielsweise lässt sich locker um die Hüfte (engl. hip, daher wohl auch grundsätzlich der Name) tragen. Das mit 1100 Gramm leichteste Schloss im Test fällt somit auch optisch etwas aus dem Rahmen, zumal es in verschiedenen Farben erhältlich ist. Doch was nützt das schönste Schloss, wenn es zu leicht zu knacken ist? Im wichtigsten Test, dem Angriff mit dem Winkelschleifer, schlägt es sich im Verhältnis zur Größe aber sehr ordentlich und liegt im Mittelfeld. Sehr gut hält es dem Picking-Versuch unseres Spezialisten stand, der es in der für den Test vorgegebenen Zeit nicht öffnen konnte. Die innere Weite des Bügels liegt nur bei 88 mm – das ist nicht viel und muss bei der Kaufentscheidung beachtet werden. Zum Lieferumfang gehören drei große und robuste Schlüssel, allerdings ohne Beleuchtung. Ersatzschlüssel lassen sich mit dem eingeprägten Schlüsselcode nachbestellen.

Eigenschaften

  • Das Schloss ist für schnelles Öffnen und Schließen konzipiert. Dem widerspricht allerdings die etwas schwergängige Gummi-Staubkappe am Schlüsselloch.
  • Statt einer Rahmenhalterung hat das vergleichsweise kleine Hiplok einen Clip, mit dem es sich am Gürtel oder an einer Fahrradtasche einhängen lässt.

Fazit der Redaktion
Das Hiplok DX lässt sich auch für die schnelle Fahrt in die Stadt gut mitnehmen, da es einfach zu verstauen, klein, leicht und trotzdem relativ sicher ist. Das beste Schloss nützt nichts, wenn man es nicht dabeihat. Um ein teures Rad für längere Zeit anzuschließen, gäbe es bessere, nämlich größere Alternativen. Da die Schlüssel relativ groß sind, hätte man ihnen gleich eine praktische LEDBeleuchtung spendieren können. Der Gummistopfen als Staubschutz ist gut, aber etwas umständlich zu bedienen.

Fazit des Spezialisten
„Die Beschichtung des Bügels lässt einen Bolzenschneider abrutschen. Wobei man mit dem bei allen Bügelschlössern ohnehin keine Chance hat.“ Stefan Treml, staatl. gepr. Maschinenbautechniker


Kryptonite New York Fahgettaboudit Mini

 

Schwer und in Ordnung
Kryptonite gehört zu den bekanntesten Schlossherstellern der Welt. Das große Programm an verschiedensten Schlössern mit zahlreichen Zertifizierungen vermittelt höchste Sicherheit für wertvolle Fahrräder; „Fahgettaboudit“, wie die sichersten Kryptonite-Schlösser im Untertitel heißen, will „Unknackbarkeit“ suggerieren. Beim Picking oder auch unter Gewalteinwirkung wehrt sich das Kryptonite auch erfolgreich über mehrere Minuten und lässt Fahrraddiebe verzweifeln. Doch auch das mehr als zwei Kilo schwere New York hält einer handelsüblichen Akku-Flex nicht länger stand als andere Schlösser mit ähnlichem Querschnitt von 18 mm. So verwundert es nicht, dass Schlossknacker sich heutzutage kaum noch mit Picking oder anderen Tricks aufhalten, sondern gleich zur brachialsten Methode greifen. Wo moderne Batterie-Technik uns alle zu begeisterten E-Autofahrern und -Bikern macht, bringt sie, als Kehrseite der Medaille, leider auch derart effektive Werkzeuge mit sich, die sich unauffällig verstecken lassen. Im Einsatz ist eine solche Akku-Flex nicht mal übermäßig laut.

Eigenschaften

  • Mit über zwei Kilo in der Mini-Variante wiegt das New York in jeder Fahrradtasche spürbar schwer.
  • Das massive, über ein Kilo schwere Zylindergehäuse hat keine Sicherheitsverriegelung und fällt beim Öffnen leicht zu Boden.

Fazit der Redaktion
Bereits die Mini-Variante des New York bringt über zwei Kilo auf die Waage, lässt sich dank ihrer kompakten Maße aber trotzdem handlich mitnehmen. Der Schließmechanismus funktioniert sauber und auch nach mehreren Tagen Besprühen mit Salzwasser und Schmutz korrosionsfrei. Es besteht die Möglichkeit, sich für eine Versicherungsgarantie zu registrieren, die im ersten Jahr kostenfrei und bis zu fünf Jahre (kostenpflichtig) möglich ist.

Fazit des Spezialisten
„Das Kryptonite hat den am schwierigsten zu öffnenden Zylinder. Doch prinzipiell lässt sich jeder knacken. Ein Schloss muss dem Dieb nur lange genug widerstehen, dann sucht er sich ein anderes Rad.“ Ralph Wich-Fähndrich, Picking-Experte


Trelock U6

 

Etwas zart besaitet
Der deutsche Hersteller Trelock konnte mit dem Vorgängermodell des U6 bei der Stiftung Warentest noch den Sieg einfahren – freilich unter anderen Bedingungen als im FOCUS E-BIKE Test. Hier zeigt das Schloss nämlich deutliche Schwächen beim Angriff mit dem Winkelschleifer – nur 15 mm Bügeldurchmesser stellen eben keinen lang anhaltenden Schutz dar. Nur das Abus war im Test noch schneller durchtrennt. Dazu kommt, dass sich bereits nach einem Schnitt der Bügel um 30 mm zur Seite hin verdrehen lässt – der deutliche Höchstwert im Sechser-Testfeld. Dafür weiß das Trelok U6 bei anderen Testkriterien durchaus zu gefallen. Der mitgelieferte Halter für den Fahrradrahmen ist simpel, arbeitet aber als einziger im Test zuverlässig. Der optional erhältliche Dreipunkt- Halter seitlich für den Gepäckträger funktioniert sogar noch besser und hält das Schloss – soweit es das Testteam feststellen konnte – absolut klapperfrei fest. Nur Trelock und Abus schaffen es, eine Arretierung fürs geöffnete Zylindergehäuse zu konstruieren, sodass dieses nicht zu Boden fallen kann.

Eigenschaften

  • Zum Lieferumfang gehören nur zwei Schlüssel ohne Beleuchtung, die sich aber nachbestellen lassen.
  • Das U6 ist das einzige Schloss im Test, das mit einer guten und einfach demontierbaren Fahrradhalterung kommt.

Fazit der Redaktion
Licht und Schatten beim U6: Pfiffige Details wie beidseitig schließende Schlüssel, eine funktionierende Rahmenhalterung und ein gesicherter Verschluss oder auch das verhältnismäßig geringe Gewicht von 1,4 Kilo machen es zu einem gut zu bedienenden Alltagsschloss. Leider zeigt es sich beim Widerstand gegen den Winkelschleifer wenig ausdauernd. Nur zwei Schlüssel sind eigentlich zu wenig, auch wenn sich mehr nachbestellen lassen. Die seitlich verschiebbare Staubkappe des Schlüssellochs ist etwas schwergängig.

Fazit des Spezialisten
„Warum es nur Trelock gelingt, eine gute Fahrradhalterung für das Bügelschloss mitzuliefern, bleibt rätselhaft – kann aber wichtig bei der Kaufentscheidung sein.“ Caspar Gebel, Testredakteur


Fotos: Velomotion, Hersteller